„Lost“ Ausstellung von Ralf Baumgarten

29. Dezember 2017

Jeder kennt das Bild des verlorenen Schuhs. Dieser Schuh liegt neben der Autobahn oder im Gebüsch beim Supermarkt. Er liegt dort allein. Der zweite Schuh ist immer weg. Manche Leute fragen sich, unter welchen Umständen dieser Schuh an den Straßenrand geraten ist. Sie fragen sich, wo der andere Schuh sich herumtreibt. Manchmal begegnet dem Schuh ein Mensch, der nach Lösungen sucht, Geschichten zu ihm entwickelt. Aber die meisten Leute fragen sich gar nichts. Sie nehmen den Schuh nicht wahr. Für alle Menschen, die ihren Weltblick schärfen wollen, hat Ralf Baumgarten Fotos geschossen. Das ArtiTeQ Aufhängesystem des Saarbrücker Kunstraums „Sali e Tabacchi“ zeigt Baumgartens Fundstücke unter dem Titel „Lost“.

Verlassene Objekte im Bilderrahmen

Ralf Baumgarten hat einen Blick für Objekte. Der 1960 geborene Künstler ist Fotograf und Diplom-Designer. Er lebt in Köln und ist für seine freien Werke und Auftragsarbeiten in der ganzen Welt unterwegs. Und er fährt gern Fahrrad. Ein Autofahrer sitzt in seiner Blechkarosserie und gleitet mit hoher Geschwindigkeit an den kleinen Ködern vorbei, die ihm der Alltag hinwirft. Der Radfahrer nimmt die Welt in einem Tempo wahr, das subtilere Beobachtungen zulässt. Wenn Ralf Baumgarten auf seinen Fahrten oder Spaziergängen einen Schuh findet, macht er ein Foto von ihm. Die Galerieschienen von Sali e Tabacchi Weiterlesen

Polaroid ist tot! Es lebe Polaroid!

20. November 2017

Polaroid ist tot. Es lebe Polaroid. Die Sofortbildkamera und ihre Produkte sollten im digitalen Zeitalter so passé sein wie das Röhrenradio – sind sie aber nicht. Die Kameras
für die Augenblicksfotografie werden wieder produziert – und gekauft! Die Wiener Fotogalerie WestLicht zeigt an ihrem ArtiTeQ Aufhängesystem, warum das Phänomen Polaroid so lebendig ist.

Instant-Bilderrahmen im Goldenen Schnitt

Andy Warhol war die Polaroid-Kamera sozusagen am Hals festgewachsen. Wo er ging und stand, nutzte er die Kunst des Augenblicks im SX-70 Format. Mit jedem Druck auf den Auslöser entstand eine Dokumentation der Warholschen Lebenswelt auf 8,8 mal 10,7 Zentimetern, mit dem weißen Bilderrahmen im Goldenen Schnitt drumherum. Edwin Land, der Erfinder der Instantkamera, suchte von Weiterlesen

DIE ZWEITE HEIMAT

24. Oktober 2017

Der Begriff Heimat ist im vergangenen Monat strapaziert worden. Politiker aller Couleurs führten ihn in der heißen Wahlkampfphase im Munde. Liebliche Mittelgebirge, idyllische Fachwerkstädtchen, herbe Nordseestrände, das Brandenburger Tor, vielleicht Mainhattan – das sind so Bilder, die der Heimatbegriff evoziert. Darum ist die Heimat im Mund von Politikern immer schön, lebenswert, schützenswert. Professionelle Betrachter schaffen anders geartete Heimatansichten, persönlichere, genauere. Der international renommierte Fotograf Peter Bialobrzeski ist zum zweiten Mal ausgezogen, zu erkunden, was für ihn Heimat ist. Das Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen zeigt an seinem ArtiTeQ Aufhängesystem Bialobrzeskis Heimatkunde.

Die alltägliche Heimat im Bilderrahmen

Vielleicht liegt es an seiner Heimatstadt. Das knapp 80 Jahre alte Wolfsburg zählt nicht zu den gewachsenen Kulturstädten Deutschlands. Bialobrzeski, ebenda 1961 geboren, international tätig und in Hamburg wohnend, hat seinen eigenen Weiterlesen

Ausstellung „The Hobbyist“

2. Oktober 2017

Die Engländer gelten als exzentrisch. Darum haben sie das Hobby erfunden. Wohlhabende Leute, die wenig zu tun hatten, schafften sich ein Steckenpferd an und investierten in seine Pflege mehr Zeit als in manch andere Lebensangelegenheit. Im 20. Jahrhundert wurde das Steckenpferd epidemisch, aber die meisten ritten es still und vergnügt im Privaten. Spätestens seit dem 21. Jahrhundert ist das Steckenpferd Teil der öffentlichen Selbstdarstellung. Seine Bewegungen werden in alle Richtungen geteilt, geliked und in Szene gesetzt. Das Fotomuseum Winterthur zeigt an seinen ArtiTeQ Galerieschienen den fotografischen Blick aufs Hobby seit den 60er Jahren. „The Hobbyist“ bringt die liebsten und skurrilsten Freizeitbeschäftigungen in den Bilderrahmen.

Selbstversunkenheit im Bilderrahmen

Was ist Hobbyfotografie? Die hobbymäßige Beschäftigung mit dem Medium Fotografie? Oder die fotografische Abbildung von Hobbys? In der Ausstellung „The Hobbyist“ des Fotomuseums Winterthur geht es um letzteres. Es ist der Blick aufs Hobby, allerdings in zweierlei Weise. Zum einen Weiterlesen

Sascha Weidner. IT’S ALL CONNECTED SOMEHOW.

8. August 2017

Schenkungen sind für Kunstmuseen ein ganz besonderer Fall. Sie kommen in den alleinigen Besitz der Werke eines Künstlers. Andererseits erwächst ihnen aus der Schenkung die Pflicht, das Geschenkte zu ordnen, zu bewerten und zu präsentieren. Das kostet Zeit und Personal, kurz gesagt: Geld. Das Sprengel Museum Hannover ist genau aus diesem Grund bei Schenkungen zögerlich – aber als ihm das Gesamtwerk des Fotografen Sascha Weidner angeboten wurde, griff es zu. Die Schenkung wird von Kuratorin Inka Schube betreut: Sie lernte Weidners Kunst und Person bereits im Jahr 2000 kennen und schätzen. Unter dem Titel „It’s all connected somehow“ gibt sie den Besuchern an dem ArtiTeQ Aufhängesystem des Sprengel Museums einen ersten Einblick in Weidners Werk.

Grenzgänge im Bilderrahmen

Sascha Weidner war ein Freund des Lebens und ein Vertrauter des Todes. Der 1974 in Georgsmarienhütte geborene Fotograf verlor früh seine Eltern, sah Freunde an HIV sterben und entwickelte in seiner romantischen Seele ein besonderes Gespür für die Weiterlesen

„Endstation Sehnsucht – der Wiener Prater“ von Frank Robert

17. Juli 2017

Was macht einen Vergnügungspark zum Vergnügungspark? – Das Vergnügen, selbstverständlich. Und wer erlebt das Vergnügen in diesem Park? – Natürlich die Menschen. Was ist dann ein Vergnügungspark ohne Menschen? – Kein Vergnügungspark. Vielmehr ein trauriger oder befremdlicher Ort, eine Metapher, ein unentdeckter Planet. Frank Robert hat den still stehenden Prater fotografiert. Die Wiener Anzenberger Gallery präsentiert das eingefrorene Vergnügen an seinem ArtiTeQ Aufhängesystem: „Endstation Sehnsucht“.

Erstarrtes Vergnügen im Bilderrahmen

Der Prater mit seinem Riesenrad ist eine der Sehenswürdigkeiten Wiens. Im Volksmund heißt er „Wurstlprater“ und grenzt sich damit gegen den „Grünen Prater“ ab, das anliegende Wald- und Wiesengebiet, ein ehemaliges Jagdrevier des Kaisers. Im Wurstlprater geht es lustig zu. Dafür sorgen 250 Unterhaltungen von der Achterbahn, die hier „Hochschaubahn“ heißt, bis zum Flugsimulator. Hunger und Durst werden in über 60 Cafés, Imbissbuden und Restaurants gestillt. Im Wurstlprater ist immer was los. Außer wenn Frank Robert mit seinem Fotoapparat kommt. Die skurrile Schönheit seiner Bilder Weiterlesen