DIE ZWEITE HEIMAT

24. Oktober 2017

Der Begriff Heimat ist im vergangenen Monat strapaziert worden. Politiker aller Couleurs führten ihn in der heißen Wahlkampfphase im Munde. Liebliche Mittelgebirge, idyllische Fachwerkstädtchen, herbe Nordseestrände, das Brandenburger Tor, vielleicht Mainhattan – das sind so Bilder, die der Heimatbegriff evoziert. Darum ist die Heimat im Mund von Politikern immer schön, lebenswert, schützenswert. Professionelle Betrachter schaffen anders geartete Heimatansichten, persönlichere, genauere. Der international renommierte Fotograf Peter Bialobrzeski ist zum zweiten Mal ausgezogen, zu erkunden, was für ihn Heimat ist. Das Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen zeigt an seinem ArtiTeQ Aufhängesystem Bialobrzeskis Heimatkunde.

Die alltägliche Heimat im Bilderrahmen

Vielleicht liegt es an seiner Heimatstadt. Das knapp 80 Jahre alte Wolfsburg zählt nicht zu den gewachsenen Kulturstädten Deutschlands. Bialobrzeski, ebenda 1961 geboren, international tätig und in Hamburg wohnend, hat seinen eigenen Weiterlesen

Ausstellung „The Hobbyist“

2. Oktober 2017

Die Engländer gelten als exzentrisch. Darum haben sie das Hobby erfunden. Wohlhabende Leute, die wenig zu tun hatten, schafften sich ein Steckenpferd an und investierten in seine Pflege mehr Zeit als in manch andere Lebensangelegenheit. Im 20. Jahrhundert wurde das Steckenpferd epidemisch, aber die meisten ritten es still und vergnügt im Privaten. Spätestens seit dem 21. Jahrhundert ist das Steckenpferd Teil der öffentlichen Selbstdarstellung. Seine Bewegungen werden in alle Richtungen geteilt, geliked und in Szene gesetzt. Das Fotomuseum Winterthur zeigt an seinen ArtiTeQ Galerieschienen den fotografischen Blick aufs Hobby seit den 60er Jahren. „The Hobbyist“ bringt die liebsten und skurrilsten Freizeitbeschäftigungen in den Bilderrahmen.

Selbstversunkenheit im Bilderrahmen

Was ist Hobbyfotografie? Die hobbymäßige Beschäftigung mit dem Medium Fotografie? Oder die fotografische Abbildung von Hobbys? In der Ausstellung „The Hobbyist“ des Fotomuseums Winterthur geht es um letzteres. Es ist der Blick aufs Hobby, allerdings in zweierlei Weise. Zum einen Weiterlesen

Sascha Weidner. IT’S ALL CONNECTED SOMEHOW.

8. August 2017

Schenkungen sind für Kunstmuseen ein ganz besonderer Fall. Sie kommen in den alleinigen Besitz der Werke eines Künstlers. Andererseits erwächst ihnen aus der Schenkung die Pflicht, das Geschenkte zu ordnen, zu bewerten und zu präsentieren. Das kostet Zeit und Personal, kurz gesagt: Geld. Das Sprengel Museum Hannover ist genau aus diesem Grund bei Schenkungen zögerlich – aber als ihm das Gesamtwerk des Fotografen Sascha Weidner angeboten wurde, griff es zu. Die Schenkung wird von Kuratorin Inka Schube betreut: Sie lernte Weidners Kunst und Person bereits im Jahr 2000 kennen und schätzen. Unter dem Titel „It’s all connected somehow“ gibt sie den Besuchern an dem ArtiTeQ Aufhängesystem des Sprengel Museums einen ersten Einblick in Weidners Werk.

Grenzgänge im Bilderrahmen

Sascha Weidner war ein Freund des Lebens und ein Vertrauter des Todes. Der 1974 in Georgsmarienhütte geborene Fotograf verlor früh seine Eltern, sah Freunde an HIV sterben und entwickelte in seiner romantischen Seele ein besonderes Gespür für die Weiterlesen

„Endstation Sehnsucht – der Wiener Prater“ von Frank Robert

17. Juli 2017

Was macht einen Vergnügungspark zum Vergnügungspark? – Das Vergnügen, selbstverständlich. Und wer erlebt das Vergnügen in diesem Park? – Natürlich die Menschen. Was ist dann ein Vergnügungspark ohne Menschen? – Kein Vergnügungspark. Vielmehr ein trauriger oder befremdlicher Ort, eine Metapher, ein unentdeckter Planet. Frank Robert hat den still stehenden Prater fotografiert. Die Wiener Anzenberger Gallery präsentiert das eingefrorene Vergnügen an seinem ArtiTeQ Aufhängesystem: „Endstation Sehnsucht“.

Erstarrtes Vergnügen im Bilderrahmen

Der Prater mit seinem Riesenrad ist eine der Sehenswürdigkeiten Wiens. Im Volksmund heißt er „Wurstlprater“ und grenzt sich damit gegen den „Grünen Prater“ ab, das anliegende Wald- und Wiesengebiet, ein ehemaliges Jagdrevier des Kaisers. Im Wurstlprater geht es lustig zu. Dafür sorgen 250 Unterhaltungen von der Achterbahn, die hier „Hochschaubahn“ heißt, bis zum Flugsimulator. Hunger und Durst werden in über 60 Cafés, Imbissbuden und Restaurants gestillt. Im Wurstlprater ist immer was los. Außer wenn Frank Robert mit seinem Fotoapparat kommt. Die skurrile Schönheit seiner Bilder Weiterlesen

„Fotos werden Bilder“ im Frankfurter Städel

5. Juli 2017

Bernd und Hilla Becher waren nicht nur große Fotografen, sondern auch einflussreiche Lehrer. Bis in die 70er Jahre wurde der Fotografie künstlerisch nicht viel Beachtung geschenkt. Sie war das Medium der Bildreporter und Modefotografen. Dass ein Foto eigenständig im Museum Schulter an Schulter mit Malerei ausgestellt würde, erschien undenkbar. 1976 erhielt Bernd Becher seine Fotografie-Professur an der Kunstakademie Düsseldorf. Die Zeiten begannen sich zu ändern. In der Ausstellung „Fotografien werden Bilder“ des Frankfurter Städel Museums wird dieser Entwicklung nachgegangen.

Vom Fotoalbum in den Museums-Bilderrahmen

Fotografien unter Galerieschienen. Fotografien in Bilderrahmen. Fotografien an einem ArtiTeQ Aufhängesystem. Das ist keine stumpfe Aufzählung, sondern – aus dem Blickwinkel der 70er Jahre betrachtet – eine Sensation. Als Bernd Becher seine Düsseldorfer Professur übernahm, wurden Fotos in Alben geklebt. An den Aufhängehaken des Frankfurter Städel kann der Besucher verfolgen, wie schnell sich das ändern sollte. Das Künstlerehepaar Becher Weiterlesen

BERÜHRT – VERFÜHRT

9. Juni 2017

Ohne Werbung wären wir im Kaufhaus verloren. Hilflos würden wir durch die Abteilungen irren, unfähig, eine Entscheidung zu treffen. Das Marketing gibt uns Selbstsicherheit. Wenn wir vor einem zwanzig Meter langen Shampoo-Regal stehen, setzt unser Markenbewusstsein ein. An diesem Bewusstsein arbeiten die Macht der Bilder und der Worte. Das Museum für Kommunikation in Berlin präsentiert an seinem ArtiTeQ Aufhängesystem berühmte Werbekampagnen aus über 60 Jahren. Spätestens nach dem Besuch von „Berührt- verführt“ haben wir verstanden, dass nicht mehr die Dichter und Denker unser Weltbild prägen, sondern die Werbeindustrie.

Überzeugungskraft im Bilderrahmen

Amerikanische Präsenten halten in Berlin gerne Reden. Dem empathischen Ausruf Kennedys „Ick bin ein Berliner“ war nichts hinzuzufügen. Anders bei Bill Clinton. Als er in die Menge rief: „Nothing is impossible!“ schallte ihm aus hunderttausend Mündern zurück: „Toyoooota!“ Schlagender konnte man den Beweis für die Macht der Werbung nicht antreten. Die sprechenden Affen haben mit tierischer Überzeugungskraft zur Etablierung des Weltunternehmens Toyota beigetragen. Das Berliner Museum für Kommunikation zeigt an seinen Galerieschienen unvergessliche Beispiele für Plakate und Slogans, die ins Weiterlesen